Interview mit der Thüringer Allgemeinen

Am 18. Januar hat Jakob von Weizsäcker mit der Thüringer Allgemeinen über die Brexit-Rede der britischen Premierministerin Theresa May gesprochen. Hier können Sie das Interview nachlesen.

 

Von Martin Debes: Der Thüringer Europaabgeordnete Jakob von Weizsäcker (SPD) zeigte sich besorgt über die Pläne der britischen Regierung. Wir sprachen mit ihm.

Was folgt aus der Ankündigung von Premierministerin Theresa May für die EU?

Dass es den harten Brexit gibt, also den Ausstieg aus dem Binnenmarkt und der Zollunion. So radikal hatte ich das nicht erwartet. Die Premierministerin nimmt sich damit perspektivisch sehr viel Verhandlungsspielraum und bürdet der britischen Wirtschaft enorme wirtschaftliche Kosten auf. Aber für den europäischen Binnenmarkt ist das auch nicht gut: denn er wird wirtschaftlich schwächer, wenn ein wichtiger Mitgliedsstaat ihn verlässt.

Gibt es einen Handelskrieg?

Das erwarte ich nicht. Da macht mir Trump mehr Sorgen. Klar ist jedoch, dass May sich unter enormen Druck gesetzt hat. Sie braucht jetzt von der EU großzügige Übergangsregelungen, um den wirtschaftlichen Schaden nicht zu groß werden zu lassen.Immerhin hat sie angekündigt, erst einmal praktisch das gesamte EU-Recht in britisches Recht zu überführen, damit kein Chaos ausbricht.

Was sind die Folgen für die Union?

Kurzfristig wird man in der EU enger zusammenrücken. Auch weil jetzt noch deutlicher wird, dass es keinen Brexit geben wird, bei dem sich Großbritannien das Beste herauspicken kann. Andere EU-Länder, in denen es Abspaltungstendenzen gibt, dürften erst einmal abwarten, was mit Großbritannien in den nächsten Jahren passiert. Diese Zeit muss die EU nutzen, um ihre inneren Probleme zu lösen und auf die Erfolgsspur zurückzufinden.

Erstellungsdatum: 20. Januar 2017